Tätertherapie ist Opferschutz

Mit freundlichem Dank an die Kölner Polizei, deren Informationen auf folgender Internetseite uns in der Annahme des Einverständnisses für die Publizierung dieser wichtigen Informationen bedienen

Dem Missbrauch den Rücken kehren

Tätertherapie kann Missbrauch verhindern

© Christian Albert, MEV-Verlag

Pädophilie oder Pädosexualität, also das sexuelle Interesse eines Erwachsenen an Kindern, wird als psychische Störung eingestuft. Als „kernpädophil“ gelten diejenigen Pädosexuellen, deren sexuelles Interesse ausschließlich Kindern gilt.

Jürgen Lemke ist approbierter Psychotherapeut in der Einrichtung „Kind im Zentrum“ (KiZ) in Berlin, einer Beratungs- und Therapiestelle für Täter und Opfer von sexuellem Missbrauch. Er arbeitet seit Jahren mit verurteilten Pädosexuellen, die Kinderpornografie konsumiert oder hergestellt haben oder selbst Kinder sexuell missbraucht haben. Eine Gruppentherapie, die sich in der Regel über zwei bis drei Jahre erstreckt, gehört häufig zu den geforderten Auflagen der zuständigen Gerichte. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeit mit Tätern präventiven Charakter hat und den Missbrauch an Kindern reduzieren oder verhindern kann“, erklärt Jürgen Lemke. Von den Tätern sei allerdings kein einziger freiwillig in Therapie – den meisten fehle es komplett an Unrechtbewusststein. Der Täter müsse daher in einem langen Prozess überhaupt erst einmal einsehen, warum etwa der Konsum von Kinderpornografie den Kindesmissbrauch fördert und unterstützt. Bis diese Einsicht entsteht, könne es schon mal ein bis zwei Jahre dauern. Jürgen Lemke: „Der Begriff ‚bagatellisieren’ beschreibt das Verhalten der Täter am besten. Denn es wird einfach alles bagatellisiert. Der Konsum und die Herstellung von Kinderpornografie genauso wie ein aktiv begangener Missbrauch. Dies geschieht einerseits zur Selbstberuhigung. Andererseits sehen die Täter sich selbst häufig als Unschuldslämmer – sie sind sich keinerlei Schuld bewusst.“ 

Für die Pädosexuellen ist Kinderpornografie kein Kindesmissbrauch. Darauf angesprochen reagieren die meisten mit Ausreden und Schutzbehauptungen wie „Die Kinder sehen ja auf den Bildern nicht unglücklich aus – die weinen ja nicht!“ oder „Die spielen doch nur, das ist doch nichts Schlimmes“ bis hin zu „Ich helfe ja dem Kind, wenn ich die Bilder kaufe – die Familie lebt ja auch davon!“ Die erste Phase der Therapie sei daher immer den äußeren Druck in eine innere Motivation umzuwandeln, erklärt der Therapeut. Die Täter müssten wirklich verstehen, dass der Konsum von Kinderpornografie direkt mit dem Missbrauch zusammenhängt. Sie müssen begreifen, dass dieses Bild- oder Videomaterial überhaupt nur produziert wird, weil die Nachfrage danach besteht. Sie müssen verstehen: Wer Kinderpornografie konsumiert, macht sich mitschuldig am Missbrauch von Kindern. Und, dass kein Kind sich freiwillig missbrauchen lässt oder gar Spaß daran hat. 

Täter müssen lernen, Empathie für die Opfer zu empfinden

© CC-Verlag

 Durch die intensive Auseinandersetzung in den Gruppentherapien werden bei den Tätern Denkprozesse in Gang gesetzt. „Es bringt nichts, ihnen eine Standpauke zu halten, nach dem Motto „Das darfst du nicht!“.“ Man müsse vielmehr psychotherapeutisch arbeiten und ihnen Stück für Stück begreifbar machen, dass sie Kindern durch ihr Verhalten ernsthaften Schaden zufügen und welche realen Missbrauchs-Prozesse hinter der Kinderpornografie stecken, meint Jürgen Lemke. „Daraus erwächst dann – im besten Fall – ein wirkliches Verstehen.“ Ein zentraler Aspekt in der Therapie ist das Wecken von Empathie für die Opfer: Die Täter lernen, welche Spätfolgen ein Missbrauch für ein Kind haben kann. Nicht zuletzt muss der Pädosexuelle auch erkennen, wie absurd die Vorstellung ist, dass ein Erwachsener eine gleichberechtigte partnerschaftliche sexuelle „Beziehung“ mit einem Kind haben kann. „Man muss während der Therapie Prozesse in Gang bringen, die zeigen, dass es nun einmal ein Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern gibt und der Erwachsene dem Kind immer überlegen sein wird. Nur auf Drängen des Erwachsenen hin findet der sexuelle Kontakt statt. Niemals auf Wunsch des Kindes“, so Lemke.

Pädosexualität heilen?

Das Projekt „Kein Täter werden“ der Charité Berlin beinhaltet ein kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Personen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und/oder Kinderpornografie konsumieren und therapeutische Hilfe suchen. 

Pädosexualität ist keine Krankheit, sondern eine sexuelle Disposition, die nicht verändert werden kann. Pädosexuelle haben sich diese Neigung nicht ausgesucht. Einem pädosexuell veranlagten Mann zu sagen, er dürfe keinen sexuellen Kontakt zu Kindern haben ist so, als würde man nicht pädosexuellen Erwachsenen ein Leben in sexueller Enthaltsamkeit abverlangen. Das Ziel einer Therapie muss aber sein, sexuelle Übergriffe auf Kinder zu verhindern und den Konsum von Kinderpornografie komplett einzustellen. Der Pädosexuelle muss dazu Strategien erlernen, um sein Verhalten zu kontrollieren. Nicht aufgrund von Zwang, sondern durch die eigene Motivation. Pädosexuelle können lernen, mit ihrer Neigung umzugehen – vorausgesetzt, sie haben den festen Willen dazu. Das bedeutet aber auch, dass sie ein Leben führen müssen, das ihrer sexuellen Natur keinen Raum lässt. Jürgen Lemke erklärt: „Der Pädosexuelle braucht einen neuen Lebensinhalt. Bislang bestand dieser fast ausschließlich aus Kindern. Er muss sich ein komplett neues Umfeld schaffen – neue Freunde, vielleicht eine neue Wohnung und einen anderen Job. Außerdem können bestimmte Medikamente dabei helfen, den Sexualtrieb zu zügeln.“ 

Jürgen Lemke sieht die Tätertherapie als wirkungsvollen Ansatz, um künftigen Missbrauch zu verhindern. Denn bei vielen hat er damit Erfolg. „Auch wenn die innere Motivation bei manchen eher daher rührt, dass sie nie wieder zurück ins Gefängnis wollen, ist das ein Ansatz, mit dem man arbeiten kann“, so Lemke. Es gibt allerdings auch Tätergruppen, die als sehr schwer bis gar nicht therapierbar gelten. Ist ein Pädosexueller etwa extrem gewalttätig oder sadistisch veranlagt, besteht meist keine Chance auf einen Therapieerfolg. Für diese Täter kommt dann in der Regel nur ein lebenslanger Aufenthalt in der geschlossenen Psychiatrie in Frage.

Mehr Anlaufstellen für Täter und Opfer

Hilfsangebote für Pädosexuelle gibt es wenige. Dabei ist es wichtig, gerade Jugendlichen Anlaufstellen zu bieten. Jürgen Lemke erklärt: „Man weiß nicht genau, warum manche Menschen pädosexuell sind und andere nicht. Das lässt sich nicht an einzelnen Faktoren festmachen. Häufig macht sich eine pädosexuelle Neigung aber schon während der Pubertät bemerkbar. Diese Jugendlichen wissen dann oft einfach nicht, wohin sie sich wenden sollen. Pädosexualität ist ein Tabuthema.“ Die Jugendlichen verschweigen ihre pädosexuelle Neigung, weil sie wissen, dass die Gesellschaft sie dafür ächtet. Dabei wäre es wichtig, genau an diesem Punkt anzusetzen, damit es gar nicht erst zu einem Missbrauch kommt. „Wir brauchen auf diesem Gebiet einfach mehr Aufklärung – sowohl von Opfer- als auch von Täterseite. Das Thema muss in Fortbildungen für Psychologen, Lehrer und Trainer integriert werden. Auch im Schulunterricht sollte Pädosexualität thematisiert werden, um für das Thema zu sensibilisieren“, meint der Therapeut. 

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Autor: lichtblickevblog

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